Modellsimulation mit Pfau

Foto: L

Eine Stückentwicklung zur Stadtentwicklung

von Anna Gschnitzer und Theaterkollektiv bureau

Premiere am 7.3.15, Theater Rampe im fluxus, Stuttgart

Regie: Marie Bues, Ausstattung: Claudia Irro, Video: Florian Rzepkowski, Dramaturgie: Martina Grohmann

Mit: Trine Behrens,Patrick Heppt, Monika Wiedemer und Barbara Behrendt

Die Passage als eine Architektur des Übergangs inszeniert die Welt der Waren, der Individuen, die Bewegungen des wohl geformten Lebens. In Marmor, Glas und Stahl ersteht eine urbane Bühne für die Gemeinschaft der Schaulustigen, Konsumenten, Kreativen und Investoren. Zwischen Stuttgarts Europa- und Gerberviertel behauptet die Calwer Passage einen alternativen Lebensraum. Im Fluxus – Temporary Concept Mall versöhnen sich Konsum-Slogans und Kunst-Konzepte, Geschichte und Zukunftsentwurf. Das öffentliche Leben kehrt auf Initiative von Privatunternehmern wieder. Unter einem gläsernen Himmel sind die Widersprüche ausgeräumt und fließende Übergänge zwischen Baukörper und Körperbau geschaffen. Es harmonieren die Traditionslinien der Gründerzeitarchitektur und der Moderne im denkmalgeschützten Gebäudeensemble.

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https://vimeo.com/122103333

Genau hier ergibt sich eine sehr reale Bühne für die theatrale Simulation der Stadt der Zukunft. In der Calwer Passage entwickeln die Autorin Anna Gschnitzer und die Regisseurin Marie Bues mit ihrem Ensemble ein ortsspezifisches Stück für privaten und öffentlichen Raum. Im ideologischen Gerüst vergangener Architekturen performen Pfauen, Modellhäuser sowie -figürchen ein fantastisches Spektakel für urbane Menschen:

„Ich würde Ihnen gern das Fremde zeigen. Spiegelglatt, schwarz, glänzend, projiziert auf die Mauern dieser Gebäude. Die Gebäude dieser Stadt. Das Fremde, schön und fröhlich. Ich würde mich gern an sein Äußeres drücken, gegen seine kühlen Wände. Ich denke an die Fassade der Gebäude dieser Stadt, wie an die Haut Josephine Bakers. Oh ja, Josephine Baker! Diese Häuser tragen ihre Fassaden, so wie du dir einst deine Haut übergeworfen hattest. Josephine Baker, dein Körper soll meine Sprachmine sein! Aus dir Josephine will ich fordern, wie einst die großen Männer der Moderne. Und was für einen Erfolg und was für ein Wachstum wir gemeinsam verzeichnen werden!“

Im Rahmen eines Kooperationsstipendiums der Akademie Schloss Solitude

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Pressestimmen:

„Unter die Theatergänger dieser Premiere der Rampe mischen sich amüsierte Passanten – auch ein gelungenes Beispiel für die Belebung von öffentlichem Raum. […] Anna Gschnitzer macht aber kein Wohlfühltheater für diese Klientel. Die vier Schauspieler flöten nur leicht verfremdete Investorenprosa ins Publikum und erklären den Vorgang der Gentrifizierung, ohne das Wort selbst zu benutzen: ‘Bald flitzen hier junge attraktive Männer in Rennrädern herum, werden in abrissreifen Häusern Bagelstationen eröffnen und mit einem verschmitzten Lächeln die eigene Mieterhöhung erkaufen.’ […] Das Publikum kommt in Bewegung, es geht vom Platz aus in eine Boutique, von dort aufs Dach der Passage – ein zauberhafter Ort übrigens, allein dieser Gang lohnt die Vorstellung – und wieder zurück. […] So aber ist die Mischung aus theoriestrotzenden Satzspiralen, musikalischen Einlagen und komischen Einfällen ziemlich kurzweilig.“
Stuttgarter Zeitung, 09.03.15

„Mit vielen aufgesetzten ‘Oh’, ‘Ah’ und ‘Ach’ kommentieren Katharina Behrens, Monika Wiedemer und Patrick Heppt in aufwendig produzierten Kostümen aus der Werkstatt von Claudio Irro das Häuschen in Orange. Selbstironisch führt das Ensemble eine Generation vor, die die Calwer Passage während einer Interimsnutzung ‘Fluxus’-Einkaufszentrum nennt. […] Aus der Kälte des Abends marschiert die Publikumsschlange am Samstag in die Wärme eines geschlossenen Raumes (ganz ohne ‘Theatersaal’ geht es dann doch nicht), lässt sich auf Hockern nieder, erlebt Musik- und Showeffekte, begibt sich auf die Terrasse der Passage, wo die Nasen durch einen Mix aus den Küchen der Restaurants strapaziert werden, wird zurückgeführt in den Raum. Macht und Räume, so viel wird an diesem Abend vermittelt, sind untrennbar miteinander verbunden […] Ob die Sehnsucht nach reiner Fassade – ‘spiegelglatt, schwarz, glänzend’ wie die Haut von Josephine Baker – durch das Bauhaus erlöst wird, bleibt offen.“
Stuttgarter Nachrichten, 09.03.15

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